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Zeitschrift

Ein Kleinod aus dem Mittelalter

Wer in der Stadt zu Fuß unterwegs ist, läuft mindestens einmal an ihr vorbei. Meist wird er es nicht bewußt tun, da er gerade an dieser Stelle in ein Getümmel und Geschiebe gerät; schließlich kommen die Fußgänger von vier Seiten, dazu gibt es noch einen Engpaß.


Die Rede ist von der Schuhstraße, Ecke Kleine Burg, Eingang Burgpassage; »Brennpunkt eines wirklich sehr lebhaften Verkehrs«. An dieser Stelle steht inmitten der Zweckbauten der 50er und 60er Jahre mit großen Schaufensterfronten, glatten Fassaden, falschem Fachwerk und vielen Reklameschildern ein Kleinod aus dem Mittelalter; das Gebäude der jetzigen Hof-Apotheke.

Sicht auf die Hof-ApothekeBereits zu Anfang des 15. Jahrhunderts wird das Haus »to dem roden Crutze« in den Chroniken erwähnt. 1670 wird zum ersten Mal ein Apotheker namens Policarpus Mumme (und dessen Sohn Julius Mumme) genannt, der wahrscheinlich um die Wende zum 18. Jahrhundert in dem Gebäude, das heute unter Denkmalschutz steht, eine privilegierte Apotheke errichtete.

Die drei in Braunschweig bestehenden offiziellen Apotheken wurden 1750 unter Herzog Karl I. aufgekauft und zusammen mit einer weiteren sogenannten Staatsapotheke weitergeführt.

1772 wurde der Hof-­Apotheke erneut das Privileg zugesprochen. »Von Gottes Gnaden, wir Carl, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, für Uns, Unsere Erben und Nachkommen an der Landes­regierung privilegieren hier­durch jetzt gemeldeten Apo­theker Ahrend Jacob Wabst hierselbst, daß er neben den übrigen drei Apotheken die von ihm verlangten Medica­menta simplicia et composita dispensieren und verkaufen möge«

Das Experiment der Staatsapotheke wurde also als gescheitert aufgegeben. »Hony soit qui mal y pensell, dieser Wahlspruch des engli­schen Hosenbandordens von König Eduard III. ist einge­schrieben in das Privileg der Hof-Apotheke. »(K)ein Schuft, wer Arges dabei denkt«, wenn jemand behauptet, aus der Geschichte könne man et­was lernen.

Das Gebäude in seiner heuti­gen Form soll erst um 1806 entstanden sein, so ist es an anderer Stelle nachzulesen. Was nun richtig ist, sei dahin­gestellt, sicher ist, daß das Haus eine Reihe von Wand­lungen durchgemacht hat, und geschützt ist es so, wie es der Betrachter heute sieht. Der Anblick lohnt, Über dem Eingang an der Ecke Schuh­straße/Kleine Burg in golde­nen Buchstaben »Hof-Apo­theke«, darüber ein kleiner Balkon, eingefaßt von einem Gitter aus Schmiedeeisen. Weiter oben ein Emblem mit dem springenden Pferd, Kennzeichen für die Bezie­hungen Braunschweigs zu Hannover. Auffallend auch, daß die Apotheke keine großen Schaufenster hat. we­gen des Gesamtbildes muß­ten im Parterre Flügelfenster mit Sprossen verwendet wer­den, Sie hebt sich damit wohl­tuend von den »lauten« Aus­lagen um sie herum ab.

Wer aber meint, daß es in der Offizin noch so zugeht wie beim Apotheker Wabst vor mehr als 200 Jahren, der irrt. Hinter der wunderschönen al­ten Fassade arbeitet eine mo­derne Apotheke unter der Lei­tung der Apothekerin Frau Doris Borgmann, der heuti­gen Besitzerin, mit all dem Warenangebot und den tech­nischen Hilfsmitteln, die heut­zutage notwendig sind, um die Kunden zufriedenzustel­len.

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